Irgendwo im Grenzgebiet zwischen Essen und Wattenscheid liegt das Waldstadion Bergmannsbusch. Hier spielt der TC Freisenbruch in der Kreisliga B der Essener Staffel Süd-Ost. Klingt alles irgendwie nicht nach der großen Bühne. Oder? Kommt ganz darauf an, was man aus so einem Klub macht. Wie wäre es mit einer knackigen Ansage an die Konkurrenz? Nicht an die in der Liga. Mit einem Saisonziel „irgendwo im oberen Drittel“ lenkt niemand die zahlenden Zuschauer beim Sonntagsspaziergang zum Ascheplatz. In Essens Osten bleiben sie ganz bescheiden: Es soll unter die TOP 100 Fußballvereine gehen. Bei Facebook.

Von Domink Hamers

Gemessen wird in „Likes“, gepitcht mit verrückten Aktionen, die offenbaren: Anders als sein ehrgeiziges Ziel nimmt sich der B-Ligist selbst überhaupt nicht sonderlich ernst. Als die Profis des Hamburger SV ihr Salär mittels einer Liste im Jenischpark veröffentlich wussten, reagierte der TCF prompt. Auf eine regennasse Aschebahn neben ein Stück Rasen legten die Essener ein komplett leeres Blatt Papier und schrieben darüber: „So würde es aussehen, wenn man die Gehaltsliste des TC Freisenbruch in einem Park finden würde!“ Die Aktion schlug hohe Wellen. Und die Essener kamen ihrem Ziel ein Stück näher – um „oben“ mitmischen zu können, sind nach aktuellem Stand gut 3.700 „Likes“ notwendig.

„Letzten Endes kann der Verein damit nur gewinnen“, sagt Freisenbruchs Trainer Ingo Elosge, der voll hinter der Aktion steht. Schließlich hat sich die Stimmung längst auf die Mannschaft übertragen. Seit zu Beginn des Jahres die Idee reifte, dem eigenen Klub einen neuen Anstrich zu verpassen, schneidet die Mannschaft auch sportlich besser ab. „Die Jungs wissen, dass mehr auf sie geschaut wird“, vermutet Elosge das Geheimnis hinter dem leichten Aufschwung und ergänzt: „dadurch machen sie sich vielleicht auch ein wenig mehr Druck.“

Obschon das den Coach nur am Rande interessiert. „Für uns steht im Vordergrund, dass wir zeigen, dass wir anders sind. Sympathisch, verrückt, vor allem aber anders.“ Die Aussage ist kaum notwendig, nimmt man sich nur ein wenig Zeit und scrollt einmal die Facebook-Chronik bis August zurück. Dort hat der TCF feierlich verkündet, eine Wolf-Patenschaft übernommen zu haben. Elosge gibt jedoch zu, dass – abgesehen davon, dass Meister Isegrim seit der Gründung 1902 Maskottchen des Vereins ist – durchaus ein seriöser Aspekt an der Sache haftet. „Den Naturschutz nehmen wir durchaus ernst“, sagt der Coach.

Schmunzeln mussten sie nach der Aktion dennoch. Kurz nach Abschluss der Patenschaft gab es einen Anruf vom Naturschutzbund. Dort wollte man wissen, ob der TC Freisenbruch eine Kapitalgesellschaft sei. Einige Tage vorher hatte sich ein Fußball-Bundesligist mit dem gleichen Bekunden gemeldet. „Da gab es aufgrund der Rechtsform wohl einige Umstände“, erklärt Elosge. Den erhöhten Aufwand hätten die Freisenbrucher im Übrigen nicht gescheut.

Im Waldstadion wissen sie, dass der größte Teil der Arbeit noch vor ihnen liegt. Langsam, aber sicher, kratzt der Verein die 1.000er-Marke an. Dreimal so viele „Likes“ müssen es noch werden, um zur ernsthaften Konkurrenz für die TOP 100 zu werden. Elosge sieht das Ganze vorsichtig optimistisch: „Allein das Saisonziel weckt schon so viele Sympathien, dass sich Fußball-Fans mit uns solidarisieren, die sonst gar nicht so viel mit dem Verein zu tun haben.“

Letztlich kommt es also doch nur darauf an, was man aus den vorhandenen Mitteln macht. Und wenn es mit einem Wolf sein muss.