Die Zitterpartie im Revier ist überstanden. Nach langem Aufenthalt im sicheren Mittelfeld der Bezirksliga und dramatischem Abstieg auf den Relegationsplatz sicherte sich der SC Phönix Essen im Spiel gegen den TuS 84/10 Essen-Bergeborbeck überlegen den Ligaerhalt. Zwar ging der TuS 84/10 in der fünften Minute durch ein Tor von Marius Toltenberg in Führung, aber das machte der SC Phönix durch zwei Treffer von Kai Heinze in der 52. und 77. Minute und einem dritten Tor von Erol Serin in der 81. Minute mehr als wett.

Für Titomir Benic, die eine Hälfte des Trainergespanns, ist das ein erfreulicher Abschied. Seinen Platz an der Seite von Arndt Krosch übernimmt Wolfgang Gräfen, der sich in Nordessen schon allein als Ex-Trainer von Al-Arz Libanon bestens auskennt.

Gute Nerven werden die beiden Trainer auch weiterhin brauchen, so wie auch die Spieler. Poker könnte ihnen bei der Vorbereitung auf die neue Saison helfen.

Sowohl auf dem Spielfeld wie auch am Tisch sind Geduld und Ausdauer unverzichtbar. Zwar ist es physisch weniger anstrengend, zu pokern als 90 Minuten lang auf- und ab zu rennen, aber nur wer die ganze Zeit über aufpasst, wird jede mögliche Lücke und Gelegenheit entdecken.

Es muss nicht immer ein Pokerface sein, aber auch ein Fußballer sollte seine Emotionen unter Kontrolle halten können. Bestes Warnbeispiel ist Zinedine Zidanes Ausraster im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Der französische Superstar fühlte sich von seinem italienischen Gegenspieler Materazzi von verbalen Ausfällen so sehr provoziert, dass er diesem einen Kopfstoß versetzte. Das Ergebnis: Zidane sah auch vom Schiedsrichter Rot, und Italien gewann den Titel.

Entscheidungsfreudig müssen die Spieler dennoch sein, auch wenn am Kartentisch mehr Zeit für den nächsten Zug bleibt als bei den blitzschnellen Aktionen auf dem Rasen- oder Ascheplatz.  Dazu gehört auch, eine Strategie kurzerhand zu ändern und sich auf den Gegner einzustellen. Und schließlich: Erfahrung macht klug. Selbst aus einem verlorenen Spiel lässt sich so manches für die Zukunft lernen.

Diese Lektion haben zig Generationen von Kickern auch beim SC Phönix Essen gelernt. Der Club, der 1920 als „wilder“ Verein seine Anfänge im Stadtteil Frohnhausen hatte, ist seit seiner Aufnahme in den Westdeutschen Spielverband WSV vier Jahre später ein reguläres Mitglied und inzwischen ein Fixpunkt der Fußball-Landschaft.

Große Höhenflüge haben die Spieler nie gemacht, aber sie gehören seit Jahrzehnten zu den verlässlichen Teams, die für ihre Fans immer auch ein Stück Heimat bedeuten.  Und mit dem Verbleib in der Bezirksliga haben Arndt Krosch und Wolfgang Gräfen eine gute Ausgangsbasis, auf der sie nach der Sommerpause in der Bezirkssportanlage in der Raumer Straße wiederaufbauen können. Seit 1967 ist der Verein dort beheimatet, und seit 2009 sind auch die letzten Ascheplätze in Kunstrasen umgewandelt worden.