Erschienen in Auf Asche #20 – April 2017

Auch in dieser Saison spukt das Abstiegsgespenst an der Keplerstraße. Trainer Björn Matzel kämpft mit einer jungen Mannschaft um den Klassenerhalt und erklärt, warum der Abstieg kein Beinbruch wäre.

Von Martin Herms

Björn Matzel hat in seiner aktiven Laufbahn viele Erfolge gefeiert. Mit dem FC Kray gelang dem ehemaligen Torjäger der Aufstieg in die Verbandsliga. TuS Essen-West 81 führte er als Spieler von der Kreisliga A bis in die Landesliga. Bei der Hallenstadtmeisterschaft durfte er sich zweimal die Krone aufsetzen. Matzel hat sich zu einem der erfolgreichsten Essener Amateurfußballer der jüngeren Vergangenheit aufgeschwungen. Seine Qualitäten am Ball waren unbestritten, seine Fähigkeiten als Trainer konnte im September 2015 wohl kaum jemand einschätzen.

Zu diesem Zeitpunkt wurde der heute 37-Jährige bei seinem Heimatverein TuS Essen-West 81 ins kalte Wasser geworfen. Wilfried Tönneßen wurde nach wenigen erfolglosen Wochen als Trainer entlassen. Zuvor hatte sich Aufstiegstrainer Stefan Lorenz überraschend in Richtung Hafenstraße verabschiedet. Eine schnelle Lösung musste an der Keplerstraße her. Die Wahl fiel auf den Trainer-Novizen Matzel, der zuvor lediglich eine kurze Erfahrung als Co-Trainer der 81er vorweisen konnte. Auf Anhieb wurde er zum Landesliga-Trainer. Eine Chance, auf die viele Trainer lange warten müssen. „Das ging damals schon sehr schnell. Natürlich war mir bewusst, dass es eine tolle und einmalige Chance war“, blickt Matzel auf seinen Schnellstart zurück.

Rund anderthalb Jahre später lässt sich konstatieren, dass 81-Präsident Frank Ritter mit seiner mutigen Entscheidung richtig lag. Matzel hat sich als Trainer in der sechsthöchsten Spielklasse auf Anhieb behauptet. Essen-West gelang souverän der Klassenerhalt. Ein anderes Ziel verfolgt der Verein auch in dieser Saison nicht. Alles andere wäre angesichts der Rahmenbedingungen realitätsfremd. Das liegt zum einen an der stärkeren Konkurrenz. Durch die Umstellung auf zwei Landesliga-Staffeln ist das Teilnehmerfeld deutlich prominenter und ausgeglichener als noch in den letzten Jahren. Vereine wie der SV Straelen, der VfB Speldorf, die U23 von Rot-Weiß Oberhausen, der VfL Rhede oder auch der FSV Duisburg gehen mit anderen Voraussetzungen ins Rennen als die Westler. „Das Niveau in dieser Liga ist wirklich sehr hoch. Wir müssen uns an jedem Sonntag strecken, um eine Chance zu haben“, weiß Matzel.

„Erfahrene Spieler sind in der Landesliga kaum zu bezahlen“

Seit 2009 ist der ehemalige Krayer an der Keplerstraße als Spieler und Trainer aktiv. In seiner Anfangszeit lief es für Matzel noch anders. In der Kreisliga A und in der Bezirksliga waren es die 81er, die mit einem namhaften Kader die Konkurrenz dominierten. Matzel und sein heutiger sportlicher Leiter Titomir Benic waren die Eckpfeiler einer mit namhaften und erfahrenen Spielern gespickten Mannschaft, die den Sprung bis in die Landesliga schaffte. Die Ausrichtung der Rot-Weißen hat sich inzwischen geändert. Großen Anteil daran hat ausgerechnet Matzel, der einst den „FC Bayern der Kreisliga A“ anführte. Der Trainer setzt auf deutlich jüngeres Personal. „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, einen neuen Weg zu ergehen“, sagt er. „Erfahrene Spieler sind in der Landesliga kaum zu bezahlen. Das wollen wir auch gar nicht. Wir setzen auf junge Leute, die Bock darauf haben, sich in der Landesliga zu beweisen. Das große Geld wird nun bei anderen Vereinen verdient. Ich denke, dass dies genau der richtige Weg ist.“

Neuzugänge aus der A-Jugend und der Kreisliga A

Auch wenn der Klassenerhalt in diesem Jahr alles andere als ein Selbstläufer ist, geben die Resultate dem 81-Trainer durchaus Recht. Der TuS überwinterte über dem Strich und präsentiert sich konkurrenzfähig. Junge Spieler wie Niklas Piljic (ETB U19) oder Marcel Jankowski (TuS Helene, Kreisliga A) haben ihre Chancen genutzt. Der Trainer ist begeistert: „Die meisten Mannschaften sind personell stärker besetzt. Aber wir schaffen es mit enormer Laufbereitschaft dagegen zu halten. Ich freue mich für Leute wie Niklas Piljic, die frisch aus der A-Jugend kommen. Die Jungs haben Dampf auf dem Kessel.“

Den Dampf werden seine Spieler wohl bis zum Ende benötigen, um erneut das große Ziel Klassenerhalt zu erreichen. Doch selbst ein Abstieg in die Bezirksliga sei für den Verein laut Matzel kein Beinbruch. In seinem zweiten Jahr als Landesliga-Cheftrainer hat er gelernt, die Kräfteverhältnisse realistisch einzuordnen. „Wir sind neben dem ESC Rellinghausen der einzige Essener Verein in der Landesliga. Es wäre keine Schande, aus dieser Liga abzusteigen. Auch dann ginge es hier weiter.“ •